Unsere Kirche

 

 

Text aus der Predigt von Regens Karl Plangger anläßlich des Kirchweihfestes 1999 - 35 Jahre Olympisches Dorf.

.Ich war heute schon sehr früh hier in der Kirche und habe im Dunkeln hingehört, ob ich auch hier sprechen höre. Vieles können wir ja auch zeichenhaft verstehen; in eigener Sprache wird Wichtiges zum Ausdruck gebracht.

Zuerst höre ich eine metallene Stimme: sie kommt vom TURM. 4 Säulen - 30 m hoch - damals höchstes Gebäude - inzwischen sind mir Hochhäuser über den Kopf gewachsen. So zeigte ein Blick auf meine Blechhaube, dass sie rostig ist. Also wird sie gestrichen. Von Anfang an hing nur eine Glocke, die Pius-Glocke, in mir. 1979 kamen drei weitere dazu: die Maria-, die Florian- und die Josef-Glocke. Zu dieser letzten, der kleinsten, darf ich etwas Schönes sagen: sie ist die Sterbeglocke und erklingt immer um 18 Uhr, wenn das Sterben eines Mitchristen, einer Mitchristin gemeldet wird. Mit meinen Glocken markiere ich nicht nur die Mittagsstunde, sondern rufe auch zur Besinnung, zum Gebet, zum Gottesdienst. Ja, und einmal ist mir einer mit der großen Feuerwehrleiter aufs Dach gestiegen und hat sich abgeseilt. Ich kann mich noch gut erinnern.

 

Bei mir braucht es keine Leiter, ich habe eine große Stiege, sagt die große EINGANGSTÜRE. Und außerdem: Am Turm ist eine Tafel mit einem kurzen geschichtlichen Hinweis auf die Pius-Kirche. Links und rechts von mir stehen weiße Marmorsäulen mit dem Wahlspruch von Papst Pius X. in deutscher und lateinischer Sprache: "Alles in Christus erneuern". Ich öffne mich auch weit, lasse Menschen ein. Ich wünsche mir das von der Gemeinschaft der Kirche: dass sie ihre Tore für alle auftut, und sich nicht verschließt - vor Unangenehmen, vor Außenseitern, vor Geschieden-Wiederverheirateten, vor Ausgetretenen, vor Andersdenkenden. Ich freue mich über alle, die eintreten. Manchmal macht es mich traurig, wenn ich von Eltern und Paten in meiner Nähe das Versprechen höre, ihre Kinder im Glauben zu erziehen, aber dieses Versprechen kaum eingehalten wird. Jetzt meldet sich mit einem Rauschen das DACH zu Wort. "Tretet nur ein. Ihr werdet nicht zwischen Mauern unter freiem Himmel stehen, wenn das vielleicht auch manchmal sehr schön sein kann. Ich beschütze euch vor Regen und Schnee und Hagel. Ich beschirme euch. Zugegeben, es gab eine Zeit, da war ich rissig. Da tropfte oder rann sogar manchmal das Wasser durch. Aber seit man mir eine elastische Haut übergezogen hat, ist alles in Ordnung."


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