Segnen statt taufen

Immer häufiger kommt es auch in unserer Pfarre vor, dass Eltern ihre neugeborenen Kinder nicht mehr taufen lassen. Die Gründe mögen vielfältig sein, vielleicht können sie einerseits mit dem „Sakrament Taufe“ nicht viel anfangen oder sie möchten ehrlich warten, bis ihr Kind „die Taufe bewusst mitbekommt“.
Aber auch wenn Eltern ihr Kind zur Taufe anmelden, so habe ich beim Taufgespräch mitunter das Gefühl, dass in der jeweiligen Situation eine „Segnung“ ehrlicher wäre, weil auf Grund fehlender kirchlicher Einbindung bzw. Gläubigkeit eine Tauffeier nicht sinnvoll erscheint.
Aus diesen aber auch aus anderen Gründen möchten wir in St. Pius X. einen Versuch wagen, der heutigen Situation gerecht zu werden. In einigen Pfarren laufen Projekte in dieser Hinsicht und ich möchte euch einen solchen, erprobten Weg heute vorstellen mit der Frage am Schluss, ob das nicht auch für uns so gangbar wäre. Damit bei den kirchlich nicht so Eingebundenen ja nicht der Eindruck einer Taufverweigerung entsteht, möchte ich fest betonen, dass trotz des Taufaufschubs eine schöne Familienfeier stattfindet und dass das Kind später selbstverständlich den Religionsunterricht besuchen darf. Die Eltern erhalten auch eine Bestätigung über die Aufnahme des Kindes in den Katechumenat (= Taufwerber).
Natürlich möchte ich niemandem, der eine Taufe ehrlich will, diese ausreden. Aber ich möchte Eltern von dem Druck befreien, sich für ein Sakrament entscheiden zu müssen, das sie nicht von ganzem Herzen für ihr Kind wollen und will ihnen anbieten, dass wir in einer schönen Feier das Kind „segnen“. Im Anschluss möchte ich euch einen Elternbrief vorlegen, den die Eltern bekommen, wenn sie ihr Kind zur Taufe anmelden. Nach einem Gespräch zu Hause können die Eltern dann die Entscheidung fällen, ob sie das „Sakrament Taufe“ wollen oder ob sie ihr Kind segnen und sich bewusst Zeit lassen für den Empfang des Sakramentes Jahre später.
Wenn Sie sich von diesem Vorschlag angesprochen fühlen, bitte ich Sie, mit mir als Pfarrer Kontakt aufzunehmen. Ansonsten bleibt es bei der üblichen Tauffeier.
Ich freue mich auf ein persönliches Kennenlernen bei einem Gespräch (wo wir den genauen Ablauf der Feiern besprechen wollen, sowohl der Taufe als auch der Segnung) und auf die Begegnung mit Ihnen bei der Taufe oder der Segnung

Pfarrer Josef Scheiring

Liebe Taufeltern!

Sie waren heute im Pfarrbüro, um Ihr Kind zur Taufe anzumelden. Zuerst einmal herzliche Gratulation zum neuen Erdenbürger/ zur neuen Erdenbürgerin – wir wünschen Ihnen als Pfarrgemeinde viele glückliche, gemeinsame Jahre und Gottes Segen!
Es gibt unterschiedliche Gründe, dass Eltern um die Taufe ihres Kindes bitten. Nachdem das Kind diese Entscheidung nicht treffen kann, ist die Taufe eines Kleinkindes nur dann sinnvoll, wenn Eltern und Paten entschlossen sind, wirklich ihr Kind im Vertrauen auf Gott und in Gemeinschaft mit der Kirche zu erziehen, was Eltern und Paten am Beginn der Tauffeier auch versprechen.
Für viele Familien ist das selbstverständlich (Gott sei Dank) – und sie tun es auch in einer wunderschönen und ganz persönlichen Art und Weise. Für andere ist es ein Anlass, selbst das Thema „Gott“ und Kirche wieder in ihr Leben hereinzuholen– gemeinsam mit dem Kind fällt es ihnen oft leichter, nach einigen Jahren, in denen Gott und Kirche vielleicht aus dem Blickfeld geraten waren, einen neuen Anfang zu setzen und auch erneut in die Pfarrgemeinde hinein zu wachsen.
Manche Eltern oder ein Elternteil wollen oder können das nicht. Sie sehen sich nicht in der Lage, auf die Frage zu Beginn der Tauffeier, ob sie ihr Kind im Glauben und in der Gemeinschaft der Kirche erziehen wollen, ein ehrliches „Ja“ zu sagen.
Wenn das bei Ihnen der Fall sein sollte, möchten wir als Pfarrgemeinde Ihnen folgenden Vorschlag machen:
Anstatt Ihr Kind zu taufen, wollen wir es segnen. Gemeinsamfeiern wir in einer schönen Feier, dass das Kind da ist, danken Gott dafür und erbitten seinen Segen. Das Kind wird in das Buch der Taufanwärter (=“Katechumenen“) eingetragen. Damit gilt es in einigen Bereichen als katholisch.
Selbstverständlich kann es später den Religionsunterricht besuchen.
Wenn das Kind auf Grund seiner Erziehung in der Familie, auf Grund des Religionsunterrichts oder weil sich seine Mitschülerauf die Erstkommunion vorbereiten, den Wunsch hat, getauft zu werden, feiern wir dann die Taufe. So hat Ihr Kind die Chance, seine Taufe bewusst zu erleben.

 
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