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Ein Blick zurück auf vergangene Feste in unserer Pfarre lässt mich jubeln. Ich denke da an unser Fronleichnamsfest, an das 40-Jahrfest anlässlich der Entstehung des Olympischen Dorfes, dann das Kirchweihfest mit all den Vereinen und einer eindrucksvollen Predigt des Dekans der Theologischen Fakultät Dr. Jozef Niewiadomski. Ich denke aber auch an die viele Mitarbeit, sei es in der Liturgie durch die verschiedensten Dienste oder im Leben der Pfarre durch den persönlichen Einsatz so vieler Ehrenamtlicher, dass es eine Freude ist, hier in der Pfarre St. Pius X. Seelsorger zu sein.
Ein zweiter Blick zurück auf die Lage der Gesamtkirche in Österreich stimmt mich traurig. Die ganze Angelegenheit in St. Pölten hat ein derart schlechtes Bild auf die Kirche geworfen, dass man oft froh war, nicht als Priester erkannt zu werden, wenn man sich in einer größeren Menschengruppe aufgehalten hat, nur um nicht dauernd mit all möglichen grauenhaften Fragen bombardiert zu werden. Es tut mir weh, wenn sich Fragen von Journalisten in Zeitungen oder in sogenannten Call - in Sendungen im Radio um das Thema drehen: „Würden Sie Ihr Kind in eine katholische Privatschule schicken? Oder zur Jungschar?" Das trifft mich persönlich hart. Auch wenn es zur Zeit keine Jungschar bei uns gibt, aber es gibt Ministranten. Zum Glück habe ich solche Fragen in unserer Pfarre noch nicht vernehmen müssen. Aber ich bin nicht so blauäugig zu denken, sie würden nicht gestellt. Sicher - es ist den Menschen nicht zu verübeln, wenn solche Fragen sie beschäftigen. Vor allem solchen nicht, die ihr Kirchenbild aus den Medien ableiten. Denn dort ist die katholische Kirche oft nur mehr als Karikatur und Witzverein vorhanden.
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Deswegen ist es für mich ein kleiner Lichtblick, wenn sich Kardinal Schönborn klar positioniert und Fragen in seiner Diözese offen stellt, welche Kommunikationsstrategien es gegen sexuelle Gewalt, ausgeübt von kirchlichen Mitarbeitern, gibt. Ich möchte dazu Folgendes sagen: In einer Zeit, in der so viele engagierte Christen in den Pfarren mitleiden an den gravierenden Fehlern, die in unserer Glaubensgemeinschaft vorgefallen sind, möchte ich alle Gläubigen guten Willens bitten, der Kirche treu zu bleiben, auch wenn Fehler da sind. Ein Mann aus unserer Pfarre hat mir gesagt: „Ich liebe meine Kinder ja auch nicht nur, wenn alles in bester Ordnung ist, sondern vor allem dann, wenn Fehler passieren, da braucht mein Kind meine Liebe besonders!" Wie wahr ist dieser Ausspruch. Ich liebe diese Kirche, nicht weil sie Fehler hat, sondern trotz der Fehler. Ich kann in dieser Kirche immer wieder verschiedene Facetten von Geschwisterlichkeit, Hilfsbereitschaft und der liebevollen Zuwendung zu jedermann, vor allem auch zu benachteiligten und notleidenden Menschen, erleben. Ich bin froh, in einer Gemeinschaft leben zu dürfen, in der ich niemals
vollkommen sein muss, sondern auch angenommen bin mit meinen eigenen Fehlern, Schwächen, Kanten und Ecken. Vieles, was in der Kirche ist, bringt mich auch oft in Rage, das will ich nicht bestreiten. Aber ich bin mir sicher, dass Christus selbst der Herr ist und ich weiß, dass sein Bodenpersonal sich nicht immer so verhält, wie er es vor 2000 Jahren gepredigt und gelebt hat.
Liebe Gläubige von St. Pius X.!
Bitte steht weiterhin mit eurem Engagement zur Kirche und zu unserer Pfarre, macht euch selbst ein Bild, wie wir in der Pfarre den Glauben zu leben versuchen und helft mit, auch in unserer Gemeinde einen neuen Aufbruch zu wagen. Danke!
Pfarrer Josef Scheiring
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