"Over the hills and everywhere"

Alsbald Ostern gefeiert wurde, lassen sich die Erstkommunionfeiern in ganz Tirol hören und sehen! Nach einer langen und intensiven Erstkommunionvorbereitung sind unsere Kinder mehr als aufgeregt für die erste Begegnung mit Jesus in der konsekrierten Hostie.

Der Nachklang dieser Begenung, die eigentlich ja eine Familienfeier ist, lässt mit der Zeit ein wenig nach. Trotzdem wollen wir in unserer Pfarre St. Pius mit unseren Erstkommunionkindern den Kontakt weiterhin pflegen. Die Ministranten sind z. B. eine Option, wo Kinder Gemeinde erleben können. Es liegt aber an uns Erwachasene an unseren Kindern das weiterzugeben, was uns selber wichtig ist. In diesem Fall: der Glaube.

Euer Jesus Cordero

Erstkommunion = Letztkommunion

In etlichen Pfarrgemeinden in unserem Land sinkt die Zahl der Eheschließungen auf nahezu Null, die der Beerdigungen übersteigt fast überall die der Taufen, in unserer Gemeinde St. Plus X auf jeden Fall. Die Kirchen leeren sich weiter.

Am TAG der ERSTKOMMUNION aber ist vielerorts der Gottesdienst überfüllt. Dann herrscht der Ausnahmezustand Erstkommunion. Gleich vorweg gesagt: Die Feier mit den Kindern war auch heuer wieder ein gelungenes Fest, gut vorbereitet und mit einigem Engagement der Tischmütter/des Tischvaters und der Religionslehrerinnen. Aber auch bei uns herrschte im wahrsten Sinn des Wortes Ausnahmezustand. Denn ich weiß einfach aus Erfahrung (gerne lasse ich mich korrigieren): Für die meisten Kinder ist die Erstkommunion auch die Letztkommunion. Seit langem wird darüber diskutiert, dass eine Form kollektiver Folklore eigentlich das Sakrament der Eucharistie "ausverkauft" und die Ernsthaftigkeit des "Geheimnisses des Glaubens" zerstört. Aber - wehe dem Pfarrer, der den Mut hat, das gewohnte Brauchtum anzutasten oder eine kontinuierliche religiöse Erziehungspflicht der Eltern als Bedingung für die Kommunion einzufordern. Der Aufruhr - einschließlich Beschwerden beim Bischof - ist dann gewaltig. Nichts aber ist schlimmer für die Ausdruckskraft des Glaubens, als wenn er sich aufs Glatteis der frommen Lügen begibt, über die man augenzwinkernd hinwegsieht.

Natürlich sollen Kinder nicht für ihre uninteressierten Eltern bestraft werden und darf man die Gnade Gottes, die aus sich selber wirkt, nicht blockieren. Aber Gnade kann keine billige Gnade sein. Sie setzt die Natur voraus und vollendet sie.
Nach einer Umfrage in Deutschland (und Österreich ist da nicht weit entfernt) ist es drei Viertel aller Eltern als ERZIEHUNGSZIEL völlig gleichgültig, ob ihre Kinder eine feste religiöse Bindung erwerben. Nur 25 Prozent wollen das.

Immerhin halten 39 Prozent eine gewisse Offenheit für Religion für sinnvoll. Am dringendsten aber wünschen fast alle - 89 Prozent-, dass ihre Kinder gute Manieren lernen. Werte ja, Glaube nein.
Inzwischen gibt es ja neue, interessante Wege der Erstkommunion, welche die Vorbereitung der Kinder als Familienkatechese ausprobieren, also eine Art religiöse Elternschule.

Darüber hinaus könnte es sich auch als hilfreich erweisen, in einem Zeitalter der Individualisierung, zur ersten Kommunion individuell zu gehen, gemäß der eigenen religiösen Reife und Andacht, gemeinsam mit den Eltern. Heute, wo die elterliche Erziehungsverantwortung wieder deutlich eingefordert wird, da könnte man jenen Gedanken für die religiöse Verantwortung der Eltern neu beleben. Die Eltern sind und bleiben die ersten Priester ihrer Kinder, nicht die Pfarrer, nicht die Gemeinde.

Ich denke, es könnte ein prophetisches Signal neuer Ernsthaftigkeit sein, die zur Zeit veraltete, volkskirchliche Form der Erstkommunion abzuschaffen. Wir, die Verantwortlichen der Pfarre St. Plus X, sind jedenfalls bemüht, das ganze "System" zu überdenken und Versteinertes und Verknöchertes aufzubrechen. Wie das alles in Zukunft aussehen wird, ist allemal spannend.

 Pfarrer Josef Scheiring

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